Neues Jahr

02cf7d26-a7c5-49cf-b14e-e9bf1e74406eIm Moment habe ich kaum Worte, aber ich versuche mich trotzdem an einem Blogbeitrag für das neue Jahr. Seit gestern Nachmittag bin ich zurück in Deutschland, denn ich habe die letzten sechszehn Tage bei meiner Großmutter verbracht. Somit waren mein Weihnachtsfest und Silvester ruhig, doch ich habe die Zeit sehr genossen. Bei meiner Großmutter konnte ich auf andere Gedanken kommen und neue Energie schöpfen, war kaum einen Moment allein und hatte genug Ablenkung. Diese Zeit hat mir sehr gut getan, als hätte ich die Distanz und den Abstand dringend benötigt.

3c932ed2-ca15-42a9-b722-04c066133a1aWenige Tage vor meinem Abflug habe ich die Hauptursache für meine Depression und das geringe Selbstwertgefühl herausgefunden, aber da meine Therapeutin noch im Urlaub ist, hatte ich bisher noch immer nicht die Gelegenheit, mit ihr über meine neuen Erkenntnisse zu sprechen. Diese neuen Erkenntnisse sind Fluch und Segen zugleich, denn ich erlebe zwar ein ganz neues Gefühl für mich selbst, muss auf der anderen Seite aber auch schwierige Begleitprobleme akzeptieren. Ich habe erkannt, dass ich viel Verantwortung für einen anderen Menschen übernommen habe, dabei aber mein eigenes Leben immer in den Hintergrund stellte.

37fcf3d9-c45f-42d9-b205-96659d6df0dbEs ist also an der Zeit, dass ich mein Leben jetzt für mich lebe. Das bringt viele Veränderungen mit sich, die mir als Autistin zusetzen, mich als Mensch aber voranbringen. Zum ersten Mal in meinem Leben dringt in mein Bewusstsein, dass andere Menschen mich tatsächlich mögen. Zum ersten Mal lebe ich mein Leben für mich selbst; und das Seltsame ist, dass ich jetzt seit drei Wochen keine Suizidgedanken mehr habe und sogar einen Hauch von Liebe für mein Leben verspüre. Sehr vieles, was meine Therapeutin in den letzten Wochen zu mir gesagt hat, ergibt erst jetzt allmählich Sinn.

Es fühlt sich an, als hätte ich viele Jahre lang einen Rucksack voller Schuldgefühle getragen; aber eigentlich gehört dieser Rucksack gar nicht mir. Und ef24824de-914d-4d4e-8ccd-1699d788923as fühlt sich an, als hätte ich mein Leben lang versucht mich aus der Depression zu kämpfen, aber zwei Hände haben sich um meine Fußgelenke gelegt und mich immer wieder in den Abgrund gezogen. Ich habe diese Hände an meinen Fußgelenken gespürt und ich habe versucht, sowohl mich selbst als auch diese Person nach oben zu ziehen; und dieser Kraftakt hätte mich beinahe mein Leben gekostet.

2c2d4262-3549-44e9-91bf-f6d4e61cb23fIch kann gar nicht sagen wie schwierig es ist, diese zwei Hände um meine Fußgelenke abzuschütteln. Denn natürlich möchte ich diese Person nicht im Stich lassen, aber auf der anderen Seite habe ich nicht die Energie. Ich habe nicht die Energie, mich um zwei Leben zu kümmern. Diese Hände abzuschütteln ist schmerzhaft, aber diese Person ist erwachsen und alt genug, um sich selbst und ihr Leben zu kümmern. Und diese Hände abzuschütteln ist auch befreiend, weil damit der Ballast weg ist und es leichter ist, nur mich selbst aus dem Abgrund zu ziehen. Und hier oben am Rande des Abgrund erkenne ich auch, dass andere Menschen mich mögen, ich ein eigenes Leben habe und die Liebe für mich selbst überlebenswichtig ist.

550623e1-9a77-49b1-b273-126e2acd54bcAn erster Stelle steht jetzt im neuen Jahr die Jobsuche für mich, denn ich brauche dringend eine Beschäftigung, eine Aufgabe. In den nächsten zwei Tagen wird zudem meine ehemalige Mitbewohnerin ausziehen, also ihre Sachen abholen und das Zimmer leeren. Somit habe ich ab Dienstagabend wieder einen getrennten Wohn- und Schlafbereich, was eine große Erleichterung für mich ist. Jetzt im Januar steht auch noch mein Geburtstag an, so dass ich Leute vom Chor einladen kann und an dem Tag nicht alleine bin. Ich kann mit Worten gar nicht ausdrücken wie froh ich darüber bin, dass ich bald die ganze Wohnung zur Verfügung habe. Dann fühle ich mich hier endlich nicht mehr wie in einem Jugendzimmer.

f66df911-a6ec-48cd-b108-5e332fec44cdMein Plan ist es bis spätens Anfang März oder April eine Arbeitsstelle zu haben; ich bin deswegen zwar nervös, aber ich habe bei meiner Großmutter in den letzten Tagen gespürt, dass mir eine Aufgabe fehlt. Es ist an der Zeit, dass ich mein Leben für mich selbst lebe. Meine Therapeutin sagte mir vor einiger Zeit, dass ich mich mit der Zeit selbst lieben und akzeptieren kann. Daran hatte ich arge Zweifel, aber mittlerweile glaube ich, dass das die Wahrheit ist. Ich will um meinetwillen leben, will die Verantwortung allein für mich tragen, mich weiter aus dem Abgrund ziehen. Ich habe keine Energie für zwei Leben, aber ich habe Energie für mein eigenes Leben. Das wird in diesem Jahr mein Weg sein.

Ich werde diesen Weg gehen, ich werde mich um mich selbst kümmern, ich werde ich sein, ich werde für mich angenehme Dinge erleben, ich werde mich weiter aus dem Abgrund ziehen, ich werde lernen mich auf meine Weise zu akzeptieren. Ich möchte wie ein Phönix sein, der aus der Asche neu entsteht.

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Ein Kommentar zu „Neues Jahr

  1. Hui, toll zu lesen. Freut mich, dass die letzte Zeit dann zum Batterieaufladen so gut war, und ich hoffe, dass die Erkenntnisse dann dem Superninja helfen, sich endlich aus diesem Dschungel zu kämpfen. *Kraft für den Weg schick* ❤

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