Auf dem eigenen Weg

In meinem Leben ist gerade unheimlich viel los, aber ich fühle mich glücklich mit meinen Entscheidungen. Tatsächlich habe ich im Moment das Gefühl, dass ich mich zum ersten Mal kompett auf meinem eigenen Weg befinde. Ich habe viele Umwege genommen und bin noch lange nicht am Ziel, aber ich lasse mich nicht mehr von meinen Vorhaben abbringen. Ich folge weiter meinem Vorsatz: Ich möchte ich selbst sein.

Zugegebenermaßen habe ich mir viel vorgenommen: Ich habe endlich ein Studienangebot bekommen und bin jetzt seit einem Tag immatrikuliert. Das bedeutet, dass ich nun offiziell Psychologiestudentin bin. Neben der Arbeit. Für mich gibt es kaum eine größere Freude, denn dieses Studium ist seit fünfzehn Jahren ein sehr großer Wunsch von mir. Ich weiß jedoch, dass das redensartlich kein Kinderspiel wird; schließlich muss ich im Gegensatz zu meinem ersten Studium nun zwingend nebenher arbeiten. Allerdings habe ich jetzt auch nicht den Druck, unbedingt in der Regelstudienzeit fertig zu werden. Ich darf in meinem Tempo studieren, was für mich im Großen und Ganzen bedeutet, dass ich schaue wie viel Energie ich neben der Arbeit noch habe.

Ein straffes Programm. Trotzdem habe ich mir noch ein Ehrenamt gesucht. Ich möchte ehrenamtlich im Hospiz arbeiten; keine spontane Idee, sondern ein langjähriger Gedanke. Dazu besuche ich nun wöchentlich einen Kurs, der mich auf die Arbeit im Hospiz vorbereiten wird. Ich weiß nicht, ob ich mich für die Arbeit im Hospiz eigne, aber ich werde mich der Prüfung stellen.

Es steht viel an, aber im Moment fühle ich mich damit gut. Viele dieser Dinge sind für mich keine Kraftfresser, sondern Kraftspender. Es ist mein Weg. Mein Weg. Ich mache endlich Dinge, die meinem Ich entsprechen. Dinge, die mein Interesse wecken. Dinge, die sprichwörtlich mein Herz berühren. Manchmal probiere ich Dinge aus und stelle fest, dass sie nicht zu mir und meinem Leben passen; dann höre ich wieder mit diesen Dingen auf. Dazu gehört beispielsweise der Chor.

An meinem alten Wohnort bin ich gerne in den Chor gegangen; ich habe keine musikalischen Talente, aber ich mochte das gemeinsame Singen und die Menschen dort. An meinem neuen Wohnort habe ich es wieder mit einem Chor versucht, aber mein musikalisches Talent lag weit unter dem Durchschnitt. Und mit diesen Worten rede ich mich nicht schlecht. Ich habe schlicht und ergreifend tatsächlich keine musikalischen Talente. Ich singe gerne, aber ich habe kein Gefühl für den Gesang oder Noten. Von den Menschen im Chor wurde ich freundlich aufgenommen, aber das Singen hat mir große Probleme bereitet und ich fühlte mich nach zwei Proben bereits sehr unwohl. Es entspricht nicht mehr meinem Weg.

Ich empfinde es nicht mehr als Versagen, wenn ich einen Weg verlasse. Ich schäme mich nicht, dass ich Anfang Juli nur einen Tag im neuen Job ausgehalten habe. Das war nicht mein Ding. Es war nicht mein Weg. Ich bin froh, dass ich es nach einem Tag gespürt und eine Alternative gesucht habe. Das war eine gute Entscheidung, denn jetzt bin ich glücklich in meiner Arbeitsstelle. Ich schäme mich auch nicht, dass ich nach zwei Chorproben wieder mit dem Singen abschließe. Für mich war es ein Versuch wert, aber entsprach nicht meinen Vorstellungen und Wünschen.

Das ist in Ordnung. Ich bin in der Vergangenheit viel zu lange einen fremden Weg gegangen, der mich am Ende verzweifeln ließ. Die Zeit ist aus meiner Sicht viel zu wertvoll; ich möchte diese Zeit lieber nutzen. Für Dinge nutzen, die mir als Mensch entsprechen.

Ich bin glücklich. Ich bin glücklich mit meinem Weg, mit meinen Entscheidungen. Und ich bin gespannt, wohin meine Reise noch gehen wird. Ich bin auch sehr glücklich mit und in meiner Partnerschaft. Tatsächlich schreibe ich wenig darüber, weil das für mich ein sehr privater Bereich ist. Oft kann ich auch gar nicht fassen, wie viel Glück ich hier hatte. Einen Menschen zu finden, der mich mit all meinen Stärken und Schwächen annimmt. Einen Menschen, der viele meiner Interessen teilt. Einen Menschen, mit dem ich über alle Themen sprechen kann. Einen Menschen, der meine Gedanken und Gefühle ernst nimmt. Einen Menschen, der meinen Weg begleitet und unterstützt.

Einen Menschen, der aus „meinem“ ein „unseren“ macht – denn ich bin auch gespannt auf unseren weiteren Weg.

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