Spezialinteressen

Auf meinem alten Blog habe ich darüber philosophiert, dass ich keine Spezialinteressen habe; und tatsächlich bin ich immer noch nicht vom Gegenteil überzeugt. Im letzten Jahr wurde mir zumindest gesagt, dass meine Interessen nicht außergewöhnlich genug sind. Sie heben sich tatsächlich nicht wirklich von der breiten Masse ab, und ich selbst empfinde sie auch mehr als Hobby. Trotzdem gibt es einige Beschäftigungen, die mich zumindest schon mein Leben lang begleiten und mit denen ich viel Zeit verbringe.

Wenn ich all meine Interessen zusammengebündelt betrachte, fällt mir selbst gerade auf, dass die Sprache der Kernpunkt ist. Ich habe kein einziges Hobby, bei dem die Sprache nicht das wichtige Verbindungsstück ist. Sprache und Kommunikation übten schon immer die größte Faszination auf mich aus, weil diese beiden Bereiche lange Zeit ein Geheimnis und mein größtes Defizit darstellten. Wenn ich also ein Spezialinteresse benennen müsste, wäre es am ehesten die Sprache.

Für mich steht Sprache sogar in Verbindung mit meiner Kreativität. Wenn ich Bilder male oder zeichne, dann versuche ich damit immer etwas zum Ausdruck zu bringen. Diese Bilder sind oft meine Art der Kommunikation, was sich besonders an meiner Reihe mit dem großen Tor verdeutlichen lässt. Eine Berufsschullehrerin fragte mich während der Ausbildung sogar mal, weshalb ich keinen kreativen Job ergreife. Leider habe ich mich auf andere Wege führen lassen, was ich im Moment sehr bereue. In der Berufsschule gehörten meine Plakate immer zu den Kreativsten, denn ich gestaltete sie meist zuhause in meiner Freizeit und steckte Stunden an Arbeit hinein. Für meine Pflanzenberichte hingegen fuhr ich in botanische Gärten und Gartencenter, damit ich die Bilder selbst fotografieren konnte. Auch Fotografie ist für mich eine Form der Sprache. Genau wie bei meinen gemalten Bildern, versuche ich auch mit den Fotografien etwas zum Ausdruck zu bringen, meist ein Gefühl oder etwas, dass mich in dem Moment beschäftigt.

Zur Kreativität gehört für mich auch das Schreiben. Und Schreiben ist eindeutig ein Element der Sprache und eine Art der Kommunikation. Ich hatte viele mutistische und nonverbale Momente in meinem Leben, so dass das Schreiben für mich noch heute von enormer Bedeutung ist. Mein Blog, Poesie, kleine Geschichten und die Arbeit an meinem ersten Buch bereichern mein Leben. Ohne das Schreiben wäre ich redensartlich nur ein halber Mensch.

Doch auch Sprache in ihrer Reinform gehört zu meinen Interessen. Ich liebe Reime, Anagramme, Palindrome, Antagonyme, Synonyme, Antonyme, Wortspiele oder auch andere Sprachphänomene; alles verbinde ich mit innerer Freude und Faszination. Aufgrund dieser Faszination beherrsche ich inzwischen auch viele Sprichwörter und Redewendungen, während ich in meiner Kindheit und Jugend alles wortwörtlich nahm und kein Verständnis dafür hatte. Ich lese auch gerne, seien es Bücher, Poesie, Artikel oder andere Blogbeiträge. Wahre Kunst der Worte beinhaltet für mich der folgende Blog: Starfishskies. Ich verlinke den Blog auf dem Namen. Mich entführen die Texte dort immer in eine andere Welt. Für mich ist das wie Jonglieren mit Worten.

Aufgrund der Sprache fasziniert mich auch Musik. Ich weiß noch, wie ich als Kind mein erstes afrikanisches Lied gehört habe und dachte, das sei „Kauderwelsch“. Ich glaubte wirklich, dass das einfach nur wild ausgedachte, aneinandergereihte Worte seien. Ich schrieb und komponierte damals eigene Lieder in Kauderwelsch. Heute höre ich Musik aus sämtlichen Ländern dieser Welt, möglichst in vielen verschiedenen Sprachen. Vor kurzem standen zwei Frauen mit ihrem Auto an einer Ecke, wo ich mit meinem Hund vorbeilief. Die Fenster des Wagens waren heruntergelassen, so dass die türkische Musik zu hören war. Ich erkannte das Lied und konnte den Refrain sogar mitsingen. Das brachte mich sofort zum Lächeln. Fremdsprachen bringen mein Herz allgemein zum Lächeln.

Meine Faszination für Sprache erklärt aber auch andere Bereiche meines Lebens. Ich habe mir selbst Sütterlin beigebracht, also die altdeutsche Schreibschrift, außerdem versuche ich Gebärdensprache zu lernen. Ich sage Euch: Ich wollte eigentlich einen Beitrag darüber schreiben, dass ich kein Spezialinteresse habe, und nun finde ich die Sprache in all meinen Hobbys und Faszinationen wieder. Das erklärt sogar, weshalb ich im Abitur in Deutsch die beste Note hatte. Es ging um Interpretationen und mein damaliger Deutschlehrer sagte, dass ich die beste Note der gesamten Klasse erreicht habe. Ich habe mich damals wochenlang mit den Büchern beschäftigt, bin total in das Thema versunken. Bei der Abschlussprüfung habe ich ohne Ende geschrieben, jeden noch so kleinen Gedanken einfließen lassen.

Ich liebe Sprache.

Mein größtes Defizit ist scheinbar zu meinem einzigen Augenmerk geworden. Sogar wenn ich mich mit psychologischen und philosophischen Themen beschäftige, interessiert mich in erster Linie immer die Sprache. Ja, auch im Studium habe ich viel Marketing gewählt, weil Werbung eine Art der Kommunikation ist und Menschen beeinflussen kann. Ich analysiere ständig Aussagen und Gespräche. Ich war bei sämtlichen Vorträgen von Kommilitonen. Oft nicht, weil der Inhalt mich interessiert hat, sondern wie sie ihre Vorträge sprachlich gestalten. Immer darauf bedacht, dass ich etwas Neues lerne und erfahre, mir etwas vom Vortragsstil abschauen kann. Ich schaue Filme und notiere mir Zitate und Fremdworte. Ich schaue Filme in anderen Sprachen und notiere mir Vokabeln.

Ich glaub, ich brauche jetzt ein paar Tage zur Verarbeitung dieser neuen Erkenntnis.

Ein Kommentar zu „Spezialinteressen

  1. Ich habe definitiv ein Thema, mit dem ich andere nerven kann, das gefühlt niemand in dem Maße interessiert wie mich (ausgewiesene Experten und die Betreffenden selbst vermutlich ausgenommen). Andrerseits gäbe es in diesem Feld bestimmt etwas von Interesse für dich: eine Fremdsprache nebst Musik, Kunst, Filme und Literatur. Erschwerniszuschlag: eigenes Alphabet. Andrerseits müsstest du dir bei den ostasiatischen Sprachen mehr Schriftzeichen merken. Dafür musst du aber bei unbekannten Wörtern immer das Grundwort der Wortfamilie rausbekommen. (z. B. Schreiben, Abkömmlinge: Brief, das Anschreiben (Begleitschreiben) Anschrift, korrespondieren, etwas aufschreiben, etwas beschriften). Bei schwachen Wörtern etwas tricky. Die Nationalhymne des zugehörigen Landes weiß ich auswendig.

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