Prämenstruelles Syndrom

Mein letzter Blogeintrag war sehr schwierig für mich, weshalb ich ihn immer wieder auf meinem Blog entfernte und dann doch wieder online stellte. Ich habe ihn unter tausend Tränen verfasst, weil es mir am vergangenen Wochenende sehr schlecht ging. Ich kenne meine Depression inzwischen ganz gut, aber was ich am Wochenende erlebte, war ‚jenseits von Gut und Böse‘. Ich habe zwei Nächte und den kompletten Sonntag geweint, tiefste Verzweiflung gespürt und keine Zukunft mehr gesehen. Ich wage mich darüber zu schreiben, weil ich inzwischen die Gründe kenne. Die Gründe sind tatsächlich nicht seelischer, sondern körperlicher Natur. Als am Montag meine Menstruation einsetzte, ging es mir von der einen Sekunde zur anderen besser.

Und dann fiel mir ein, dass ich im letzten Monat genau das gleiche Problem hatte. Schon im letzten Monat hatte ich die zwei Tage vor meiner Periode ein schlimmes seelisches Tief, so dass ich inzwischen den Zusammenhang begreife. Ich denke, dass das Hormonchaos meine vorhandene Depression verschlimmert. Auf eine Weise verschlimmert, die ich nicht einmal in Worte fassen kann. Ich kann nicht beschreiben, wie schlimm mein Wochenende tatsächlich war. Ich kenne Depressionen und ihre Schattenseiten, aber was ich am Wochenende erlebt habe, war einfach nur der absolute Horror.

Es gab keine Logik mehr in meinem Leben. Ich dachte, dass kein einziger Mensch mich leiden kann. Und ich wusste, dass das nicht der Fall ist. Ich hatte vorher einen Brief erhalten, in dem das Gegenteil steht. Ich hatte vorher noch mit meinem Stiefvater telefoniert, der mir liebe Worte sagte. Trotzdem glaubte ich am Wochenende, dass ich ganz alleine auf der Welt bin, und fand Erklärungen und Ausflüchte. Ich glaubte, dass es keine Zukunft für mich gibt, keinerlei Hoffnung. Wenn ich jetzt darüber schreibe, kommt es mir wie ein Albtraum vor. Im letzten Monat erebte ich allerdings genau das Gleiche, ebenfalls zwei Tage vor meiner Menstruation. Und ich bin froh um diese Erkenntnis. Ich bin froh, weil es bedeutet, dass ich jetzt etwas unternehmen kann, damit mir das im nächsten Monat nicht wieder passsiert.

Obwohl das Wochenende also bescheiden war, hatte ich trotzdem neue Erkenntnisse. Ich muss aufpassen, wenn ich meine Periode bekomme, weil die Hormone meine Depression verschlimmern. Außerdem habe ich die Ursache meiner Depression gefunden. Und das ist für mich der wahre Erfolg. So bescheiden das Wochenende war, so wichtig ist diese Erkenntnis. Die Ursache meiner Depression. Die Anfänge, die Zusammenhänge. All das sehe ich jetzt klar vor Augen. In meinem vorletzten Beitrag schrieb ich bereits, dass ich mehr reden muss; und ich denke es wird Zeit, dass ich auch mehr über die Ursache meiner Depression rede. Allem voran natürlich erstmal in der Therapie. Aber auch mit Menschen, die eine Verbindung dazu haben. Ich habe sehr lange geschwiegen, aber das Reden ist für mein eigenes Leben und Überleben von enormer Bedeutung.

Die letzten drei Tage ging es mir auf jeden Fall besser; ich habe sogar einige Gespräche geführt. Einige per Sprachnachricht auf Whatsapp, aber einige auch in meinem direkten Umfeld. Nach dem katastrophalen Wochenende war das wie Balsam für die Seele. Auch eine Nachricht auf Discord hat mir geholfen, dass ich die Dinge wieder klarer gesehen habe; ich hoffe die Person fühlt sich angesprochen, denn die verständnisvolle Reaktion auf meinen letzten Blogbeitrag war eine sehr große Hilfe für mich. Eine sehr, sehr große Hilfe. Und auch der Kommentar unter meinem letzten Blogbeitrag hat mir geholfen, mein Wochenende und die Aussagen meiner Oma zu verarbeiten. Ich danke also allen Beteiligten.

Über die Gründe und Ursachen meiner Depression kann ich an dieser Stelle noch nicht schreiben, weil ich jetzt erst einmal darüber sprechen und die Erkenntnisse verarbeiten muss. Ich glaube aber, dass ich allmählich Verständnis und Mitgefühl für mein jüngeres Ich entwickle.

3 Kommentare zu „Prämenstruelles Syndrom

  1. Ich hab es nie so krass wie du erlebt, allerdings war/ ist es bei mir auch sicher kein „klassisches“ PMS, sondern irgendein anderer Zusammenhang zwischen Hormonen und Depression – bei mir geht es ungefähr eine Woche vorher los und endet erst mit Ende der Periode (während PMS ja wie der Name sagt eigentlich mit Einsetzen der Periode aufhört).
    Seitdem ich eine Pille nehme, bei der die Periode weitgehend ausbleibt (wird durchgenommen), konnte ich sogar das Antidepressivum absetzen.

    Ich wünsche dir einen guten Weg, damit umzugehen. Und natürlich auch für die Aufarbeitung von den Ursachen, die du entdeckt hast ❤

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    1. Ich habe es auch noch nie so krass erlebt wie die letzten drei Monate; deswegen gehe ich davon aus, dass es einen Zusammenhang gibt mit meiner akuten Depression und der Aufarbeitung meiner Vergangenheit. Die Hormone scheinen da keine gute Kombination zu sein. Ich stelle es mir sehr heftig vor, wenn das schon eine Woche vorher losgeht und erst mit Ende der Periode verschwindet. Ein enorm langer Zeitraum. Mir ging es übrigens auch besser, als ich die Pille eingenommen habe; zumindest was die Depression betrifft. Allerdings hatte ich andere Nebenwirkungen, so dass ich jetzt seit 2,5 Jahren ohne Pille lebe. Ich hoffe, dass die Aufarbeitung und Therapie eventuell helfen, dass ich die depressiven Episoden dauerthaft in den Griff bekomme, aber nur die Zeit wird es zeigen. Werde jetzt auf jeden Fall erstmal zum Arzt gehen und mich erkundigen, ob ich die zwei Tage im Monat irgendwas einnehmen kann, damit ich für diesen ja doch eigentlich sehr geringen Zeitraum stabil bleibe. Und danke für Deinen Kommentar. Ich lese sehr gerne von Dir.

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      1. Ja, das war bei mir immer ein ziemlich langer Zeitraum… neben den Schmerzen (und dem damit verbundenen recht hohen Schmerzmittelkonsum) der Grund, warum ich den Versuch mit der Pille gewagt habe. Nebenwirkungen habe ich zum Glück nicht. Wir hatten mal den Verdacht, dass es die Müdigkeit eventuell verschärft, aber Absetzen hat nichts daran geändert. Oft heißt es ja auch, dass die Pille Depressionen macht, aber bei mir war es umgekehrt (auch wenn im Vorfeld durchaus im Raum stand, dass es evtl. schlechter werden könnte).
        Meine Ärztin hat das Präparat auch genau im Hinblick auf meine Situation ausgewählt. Es gibt ja verschiedene Wirkstoffe oder Kombinationen. Möglicherweise ist die Wirkung bei mir wegen Wechselwirkungen etwas abgeschwächt, aber da es nicht um Verhütung geht, ist das aktuell nicht relevant, solange die Wirkung für den gewünschten Effekt ausreicht.

        Ich lese dich auch gerne 🙂

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